Toyota Coaster
3.Tag (Do)
Um 4 Uhr morgens klingelte bereits das Telefon. Es war der von der Reiseleiterin bestellte Weckruf, und wir mussten aufstehen.
Das magere Frühstück bestand aus zu wenig Kaffee und trockenen Pancaces ohne Sirup (Würg).
Unsere Koffer wurden auf das Dach des Busses verladen und mit einer löchrigen Plane abgedeckt.
Bei Sonnenaufgang machten wir uns auf den langen Weg nach Bahir Da.
Das bedeutete 560 Kilometer auf schlechten Strassen, die wir uns mit Eselskarren und Ziegenherden teilen mussten.
Unvergesslich war aber der Blick bei Sonnenaufgang über Addis Abeba. Der Morgennebel hing über der Stadt und das Licht der aufgehenden Sonne spiegelte sich darin.
Nur der aufsteigende Geruch brachte uns in Erinnerung, dass auch die Tausenden offenen Feuer in den Häusern für den Nebel mit verantwortlich waren.
Kloster Debre Libanos
Nach mehreren Fotostopps erreichten wir gegen 10 Uhr das Kloster Debre Libanos, eines der berühmtesten Klöster des Äthiopisch-orthodoxen Mönchtums.
Massenhaft Pilger waren zugegen und selbst das Rauchen war in weitem Umkreis verboten.
Das Kloster war noch nicht sonderlich alt und Erwähnenswert fanden wir nur die schönen Fenster und die Tatsache, dass angeblich eine Kopie der Bundeslade hinter der Wand mit den Ikonen stehen sollte.
Dorthin hat aber nur einer der Mönche Zutritt.
Fotografieren war übrigens erlaubt, aber für Videoaufnamen wurde eine für das Land hohe Gebühr gefordert.
Auch an den Geruch auf dem Weg zum Kloster kann ich mich noch gut erinnern.
Hier wurden nämlich am Straßenrand Unmengen Kuhfladen als künftiges Brennmaterial in der Sonne getrocknet.
Der blaue Nil
Die Fahrt nach Bahir Da ging weiter und nach mehren weiteren Fotostopps in Höhen von bis zu 3200 Metern mussten wir auf fast null Meter wieder herunter. Dort überquerten wir gegen 11:00 Uhr den blauen Nil, um uns danach wieder auf 2000 Meter hoch zu schrauben.
Auf dem Berg angekommen, gingen wir Mittagessen. Wir bestellten wir uns Spagetti mit Tomatensouce. Die Souce schmeckte nach getrockneten Tomaten und frischen Kräutern. Sehr lecker.
Immer weiter ging es in Richtung Norden. In einem Ort, der bekannt für seine Sitzmöbel aus Ziegenleder war, machten wir ebenfalls einen Halt. Hier wurde auch ein seltsamer Schnaps aus einer Art Bohnen destilliert.
Er roch recht seltsam und schmeckte nach einer Mischung aus muffiger Erde und billigem Fusel.
Wir ließen uns für 30 Birr 0,6 Liter in eine gebrauchte Plastikwasserflasche abfüllen..
Übrigens leere Plastikwasserflaschen: Diese waren überall heiß begehrt und wurden von den Kindern am Straßenrand gerne als Geschenk angenommen. Also niemals einfach wegwerfen!
Eine Amhara-Frau
Egal wo man anhielt: Auch wenn man dachte, die Gegend sei Menschenleer, dauert es nur wenige Minuten, bis man von bettelnden Kindern umringt war. An ihr ständiges "Money! Money!", "Pen, Pen", "Give me shirt" muss man sich gewöhnen.
Besonders, wenn man mal eine "Buschpause" (es gab ja keine Toiletten unterwegs) machen wollte, war es daher ratsam, schnell und vor den ankommen der Kindern fertig zu sein.
Im Laufe des Nachmittags fing es an zu regnen und außerdem wurde dunkel. Trotzdem fuhren wir weiter, bis wir endlich gegen 21 Uhr unser
Hotel Summerland in Bahir Da erreichten.
Wir brachten die Koffer auf unsere Zimmer und gingen sofort zum Abendessen in das Restaurant des Hotels.
Ich hatte ein Club Sandwich, Susanne hatte Pommes.
Unser Zimmer war nicht übel. Alle Lichter funktionierten, auch alle Steckdosen.
Warmwasser und das kostenlose WIFI ebenso. Das einzige Manko war, das es darin fürchterlich nach Diesel roch.
Außerdem hatte Susannes Koffer unter dem Regen gelitten und war nass geworden.
Natürlich hatte es auch den Schlafanzug erwischt. Murphy´s Law eben.
Die Fälle des Blauen Nils
4.Tag (Fr)
Am nächsten Morgen brachen wir um 8:30 Uhr nach einem recht brauchbaren Frühstück auf.
Zuerst fuhren wir mir dem Bus 35 Kilometer des gestrigen Weges zurück.
Das Ziel waren die Fälle des Blauen Nils, die auch auf der Rückseite des 1 Birr Scheins zu sehen waren (wenn man zufällig mal einen halbwegs sauberen Schein in die Hand bekam).
Die ganze Strecke war nicht befestigt und so konnten wir nur über eine Holperpiste aus Schotter fahren.
Daher brauchten wir für die 35 Kilometer auch über eine Stunde unserer Zeit.
Zu den Wasserfällen führte vom Bus aus ein Trampelpfad über eine halbe Stunde bergauf und ab, wobei der Pfad sehr holperig und schwierig zu begehen war.
Auf der Wanderung wollten uns natürlich wieder dauernd Kinder der ansässigen Bauern, die Ziegen hüteten, billige Industriegefertigte Schals und andere schlechte Souvenirs verkaufen, die wir aber dankend ablehnten.
Der Anblick der Wasserfälle entschädigte aber die Lauferei. Auch wenn ihnen inzwischen ein Kraftwerk ein Teil des Wassers raubte. Es war ein toller Anblick.
Kloster Ura Kidane Mehret
Erschöpft erreichten wir wieder den Bus und fuhren wieder zum Hotel, dass wir gegen 14 Uhr erreichten.
Wir gingen mit zwei anderen am Tana-See eine Kleinigkeit zum Mittag Essen (Thunfischsandwich bzw. Cheese Burger) und um halb drei trafen wir uns dann alle wieder am Hotel.
Der Bus brachte uns zu einer nahgelegenen Anlegestelle am Tana-See, wo wir ein recht großes Schiff bestiegen. Wir waren allerdings die einzigen Passagiere, die das Boot auf die Halbinsel Zege brachte.
Dort angekommen, mussten wir 20 Minuten durch den Wald wandern, um die Rundkirche des Klosters Ura Kidane Mehret zu erreichen.
Unterwegs trafen wir natürlich wieder auf die üblichen, nervigen Souvenierverkäufer, die froh waren, dass endlich mal wieder potentielle Kunden vorbei kamen.
Die Rundkirche des Klosters stammte aus dem 16. Jahrhundert und sie war wundervoll mit Bilder aus Naturfarben an den Wänden bemalt. Außerdem soll in ihr mal die Bundeslade versteckt gehalten worden sein (Und ich dachte, sie ist in einem geheimen Lager von Area 51, verpackt in einer Holzkiste in den USA).
Tana-See
Nach der Besichtigung mussten wir wieder durch den nervigen Schwall der vielen Händler zum Boot gehen.
Auf dem Schiff angekommen, gab es dann Bier, Cola und frischen Kaffee, was wir auch ausnutzten, während wir den traumhaften Sonnenuntergang über dem See beobachteten.
An der Anlegestelle mussten wir nur noch über ein schmutziges Frachtschiff klettern, um an das Ufer zu gelangen. Unser Bus wartete bereits und brachte uns zum Hotel.
Wir gingen uns schnell Duschen, denn um 19:30 Uhr trafen wir uns bereits mit drei Mitreisenden und der Reiseleiterin und gingen zu dem Restaurant am See, wo wir bereits heute Mittag waren.
Wir aßen frischen Fisch aus dem See und tranken St. George Amber Bier. Das Essen war wie immer lecker und sehr preiswert. Edna erzählte uns beim Essen sehr viel über das Land und beantwortete uns auch alle Fragen, die wir hatten.
Gegen 21 Uhr gingen wir dann wieder zum Hotel um die Koffer zu packen.
Morgen sollte es weiter nach Gondar gehen.